Wenn auch die Platte seit mehr als einhundert Jahren in ihrem Wesen unverändert ist, so werden doch die Details immer raffinierter. Großformatige Faserzementtafeln werden ins Dach gezogen. Fassaden werden mit Lochungen und Fräsungen perforiert oder über Faltschiebeläden beweglich. Regenrinnen und Attikableche verschwinden hinter der vorgehängten Eternit-Fassade. Über Traufe, Ortgang, First und Gebäudeecken werden senkrechte und geneigte Flächen materialgerecht zu einer Hülle verschmolzen. Die Fassade wird zur Visitenkarte des Hauses. Das Dach wird zur fünften Fassade. Gerade dieser Aspekt wird künftig noch an Bedeutung gewinnen. Denn seit Google Earth hat das Dach mindestens die gleiche gestalterische Bedeutung wie die Fassade. Wir nehmen über diese neue Betrachtung der Welt – fast unbemerkt und doch schon ganz selbstverständlich – Häuser und Nachbarschaften von oben wahr. Längst gibt es Bauherren, die aus genau diesem Grund besonderen Wert darauf legen, dass das Dach mit der gleichen gestalterischen Idee und planerischen Sorgfalt behandelt wird wie die Fassade. Gebaute Beispiele aus aller Welt zeigen, dass dieses Motiv der Gebäudehülle aus einem Guss nicht nur ein regionales, sondern ein internationales Phänomen ist. Dabei wird sichtbar: Faserzement – ob farbig, durchgefärbt oder lasiert, ob für Dach und/oder Fassade – ist nicht ein Produkt, sondern ein Ideenmaterial.
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