Dunkle Schindel für Dichterdenkmal

Datum 20 Mrz 2020

Nach langer Bau- und Planungsphase ist nach knapp zehn Jahren das Johann Heinrich Voß Haus in der historischen Innenstadt von Penzlin fertiggestellt worden. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus von 1750, in dem einst der bekannte Dichter und Übersetzer Johann Heinrich Voß zur Schule ging, wurde behutsam saniert und um einen angegliederten Neubau erweitert. Als Gedenkstätte und kulturelles Zentrum belebt das neue Gebäudeensemble den Alten Markt und bereichert durch moderne Architektur das Stadtbild. Die für die Wand- und Dachbekleidung verwendeten Cedral Faserzementplatten verleihen dem Neubau in Kombination mit den Baustoffen Holz und Stein seine charakteristische Ausstrahlung.

Geografisch zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz gelegen, zählt die Stadt Penzlin mit ihren knapp über 4000 Einwohnern zu einer eher unauffälligen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Was viele aber nicht wissen: Der berühmte Dichter, Übersetzer und Vertreter der Aufklärung Johann Heinrich Voß verbrachte hier seine Jugend und besuchte die Stadtschule am Alten Markt. Mit seinen Übersetzungen der großen Epen Ilias und Odyssee von Homer bereitete er der deutschen Literatur den Weg in die griechische Antike. Voß` Werk hält man in Penzlin in Erinnerung, mit einem Denkmal und seit 2019 nun auch mit einem Literaturhaus. Realisiert haben das Bauvorhaben die Architekten Christian Peters, Freie Architekten und Ingenieure aus Neustrelitz. 

Wer der Blickrichtung des Denkmals am Fuße der Marienkirche folgt, entdeckt das Rektorenhaus, in dem Voß einst Latein und Griechisch lernte. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus von 1740 stand trotz umfangreicher Maßnahmen zur Sicherung und Substanzerhaltung seit den 1990er Jahren leer. Ausgehend von Überlegungen, dem Dichter das Stadtschulhaus als Gedenkstätte zu widmen und den Ort durch einen Neubau auch als neues Zentrum zu gestalten, entstand nach langer Planung ein komplexes Nutzungskonzept: Voß-Literaturmuseum, Stadtbücherei, Stadtarchiv, Touristen-Information mit Mehrzwecksaal und eine öffentliche Besuchertoilette. Die ersten Bau- und Sanierungsarbeiten begannen 2016, doch infolge gestiegener Baukosten und unvorhersehbarer Herausforderungen konnten Bestands-, Verbindungs- als auch der Neubau erst nach zweieinhalb Jahren fertiggestellt werden.  

Altbau denkmalgerecht saniert
Eine der größten Herausforderungen lag in der starken Höhennivellierung sowohl auf dem Grundstück von bis zu fünf Metern als auch im Bestandsgebäude selbst. Im Laufe der Jahre sackte dieses teilweise bis zu einem Meter ab. Für den Höhenausgleich im Haus wurden verschiedene Rampen eingebaut. Zu den weiteren Sanierungsmaßnahmen gehörten neben der Sicherung der Grundsubstanz und der Erneuerung der Dachdeckung und Fenster auch eine einheitliche Farbigkeit des Fachwerks, die Rekonstruierung der Eingangstür sowie eine Innendämmung – alles nach Maßgaben des Denkmalschutzes. Um das Fachwerkgebäude nicht mit Treppenhäusern und Aufzugsanlagen zu überfordern, sind hier nur die Ausstellungsräume untergebracht. Alle anderen Räumlichkeiten befinden sich im Neubau, der an der Stelle des ursprünglichen Hinterhauses entstand und durch einen Verbindungsbau angegliedert ist.

Archetyp Haus, modern interpretiert
Optisch angepasst an die Gebäudetypologie vorhandener Remisen scheint der Neubau mit seinem satteldachförmigen Baukörper auf einem geschosshohen Mauerwerkssockel aus beigem statt rotem Ziegel zu schweben. 

Auffällig ist die Gebäudehülle aus den drei kontrastierenden Materialen Faserzement, Holz und Glas. Die großen Glaselemente in den Giebelflächen und die dunklen, kleinformatigen Dach- und Fassadenplatten verleihen dem Gebäude eine besondere Ausstrahlung. Seit seiner Erfindung um 1900 inspiriert der Werkstoff Faserzement Architekten zu immer neuen, zeitgemäßen Kubaturen. Grund hierfür sind die immer wichtiger werdenden bauphysikalischen Eigenschaften einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) und die zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten. 

Christian Peters entschied sich bei dem Neubau für die bewährte Linumdeckung, die eine schlichte, geradlinige Architektur ermöglicht und dabei eine große kreative Freiheit erlaubt. Durch die langgestreckten Proportionen der dunklen Dach- und Fassadenplatten entsteht eine besonders elegante Wirkung, die ein kontrastreiches Gegenstück zum beigen Mauerwerk und zu den vorhandenen Remisen mit Ziegeldach und Fachwerkwänden in der Nachbarschaft geschafft. Neben den gestalterischen Vorteilen überzeugten ihn auch die Produktzuverlässigkeit, Langlebigkeit und Energieeffizienz des Werkstoffs. Faserzement bietet einen dauerhaften Witterungsschutz. Ist wasserdicht, UV-beständig, fäulnissicher und nicht brennbar. 

Vorteile der VHF
Weitere Vorteile der VHF sind ihre witterungsunabhängige Montage und damit ein hohes Maß an Planungssicherheit sowie die bauphysikalischen Eigenschaften: In der diffusionsoffenen Gesamtkonstruktion wird Feuchtigkeit im Hinterlüftungsraum abgeführt, Dämmung und Konstruktion bleiben trocken.

Die Verlegung der kleinformatigen Platten erfolgt auf einer senkrechten Holzlattung. Die einzelnen 60x32 Zentimeter großen Platten wurden im halben Verband mit einer Stoßfuge von fünf Millimetern ausgeführt. Die Befestigung je Platte erfolgt mit zwei Schieferstiften im Überdeckungsbereich und drei nicht rostenden Spezialnägeln im Sichtbereich.

Ausgezeichnete Gestaltung
Im Gebäudeinneren sind seit Fertigstellung die Stadtinformation, die Bibliothek mit modernem Lesesaal sowie das Stadtarchiv eingezogen. Der großzügig verglaste Saal bietet darüber hinaus auch Platz für einen Veranstaltungsraum, Mitarbeiterräume sowie technische Räumlichkeiten. Insgesamt stehen den Anwohnern und Besuchern nun über 800 Quadratmeter Gesamtfläche in dem Alt- und Neubau zur Verfügung. Den Veranstaltungsraum können sie sogar für individuelle Treffen, Tagungen oder kleinere Konferenzen nutzen. 

Die Sanierung und Erweiterung des Voß-Hauses wurde beim Wettbewerb für den Landesbaupreis Mecklenburg-Vorpommern 2019 mit einer Belobigung für hohen architektonischen Anspruch und fachlich versierte Bauausführung ausgezeichnet.


BAUTAFEL 
Projekt: Johann Heinrich Voß Haus, Penzlin
Architekten: Christian Peters, Freie Architekten & Ingenieure, Neustrelitz
Bauherr: Stadt Penzlin, Der Bürgermeister
Verarbeiter: Dachdeckerei Winter GmbH, 17217 Kuckssee OT Lapitz
Produkt: Cedral Dach- und Fassadenplatten in Linum Deckung, blauschwarz, 60x32 cm
Fotos: Foto Jung, Neustrelitz / Christian Peters Architekten
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal

Abbildungen

Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Der moderne Neubau komplettiert das Ensemble auf sinnfällige Weise. Der brückenartige Verbindungsbau führt vom Untergeschoss der ehemaligen Stadtschule ins Obergeschoss des Neubaus und beherbergt das Treppenhaus, sowie einen Aufzug für die barrierefreie Erreichbarkeit aller Geschosse.
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Die zweigeschossige Verglasung ist eine moderne Interpretation der klaren geometrischen Formen regionaltypischer Fachwerkgiebel.
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Der ursprüngliche Hofgarten hinter dem Bestandsgebäude wurde in unterschiedliche Höhenlagen terrassiert und bebaut. Die für den Neubau verwendeten Faserzementplatten bilden einen Kontrast zum warmen Mauerwerksziegel, während die Holzrahmung des Giebels die Glasflächen gelungen akzentuiert.
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Die Cedral Dachplatten im halben Verband verlegt, erinnern in Abmessung und Maßstäblichkeit an Ziegelmauerwerk.
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Dunkle Schindel für Dichterdenkmal
Auch an der Fassade kamen die Faserzementplatten in Linum Deckung zum Einsatz.

Text und Bilder stehen zum Download hier zur Verfügung.
Abdruck honorarfrei. Belegexemplar erbeten.

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